Die anderen Bilder.
Outsider und Verwandtes aus der Sammlung Hartmut Neumann

6.5. – 30.6. 2007
Eröffnung: 6.5.2007 um 11.00 Uhr in Emsdetten und um 15.00 Uhr in Rheine, Klostern Bentlage
Eine Kooperation mit dem Museum der Stadt Ratingen, der Kloster Bentlage gGmbH Rheine und den Flottmann-Hallen Herne

Die Ausstellung Die anderen Bilder. Outsider und Verwandtes aus der Sammlung Hartmut Neumann zeigt annähernd 150 Arbeiten von 68 Künstlerinnen und Künstler aus der Sammlung des in Braunschweig und Köln lebenden Kunstprofessors, Malers und Fotografen. Nicht das singuläre Werk, das vielfach die Sammlungen von Sammlern auszeichnet, sondern die Einzigartigkeit und Eigenwilligkeit einer Künstler-Sammlung ist Gegenstand der Ausstellung. Neben so bekannten Outsidern wie Johann Hauser, Magarethe Held, Franz Kamlander, Michael Nedjar, André Robillard, Sava Sekulic, Oswald Tschirtner, August Walla oder Josef Wittlich werden auch die weniger bekannten, oftmals namenlosen Künstler vorgestellt.

Inhaltlich ergänzt wurde die Ausstellung mit Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler. Gerade in der Gegenüberstellung von Outsidern mit zeitgenössischen Künstlern wird für den Betrachter deutlich, welch hohe künstlerische Qualität sie besitzen und in welchem Maße zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler von ihnen beeinflusst sind. Künstler wie Martin Assig, Bernhard Johannes Blume, Peter Bömmels, William Copley, Jürgen Klauke, Jan Knap, aber auch Lucebert, Volkmar Schulz-Rumpold, Norbert Schwontkowski, Henk Visch oder Jenny Watson gehören zu denen, die neben anderen in der Ausstellung vorgestellt werden.

Bedeutet die Art brut ihrem Wesen und Wert nach für die handelnden Personen die äußerste Form des Widerstandes gegenüber der kulturellen Institutionalisierung, so ist der Outsider der Paria, der sein Leben verinnerlicht und den Weg der inneren Emigration geht. - Wer aber sind diese Menschen, die durch ihre künstlerische Arbeit eine nicht unerhebliche Wirkung auf die Kunst der Moderne bis heute haben, zugleich aber häufig von der künstlerisch-kulturellen Wahrnehmung und gesellschaftlichen Öffentlichkeit ausgeschlossen bleiben?

Für die Ausstellungsstandorte Galerie Münsterland in Emsdetten und Kloster Bentlage in Rheine wird die Ausstellung eigens ergänzt mit Arbeiten des amerikanischen Outsiders Tim Brown. Die ausschließlich nur im Kloster Bentlage gezeigte Malerei auf Blech und Holz des Master of Mississippi präsentiert eine Einzelposition und umfasst Arbeiten aus dem Zeitraum von 1950 bis 1970.

In der Geschichte der Kunst wurde in der Vergangenheit kaum ein kreativer Bereich so deutlich nicht wahrgenommen, nachhaltig verschwiegen, bekämpft oder gar belächelt wie die von Jean Dubufett (1901-1985) erstmals 1945 genannte Art brut, jene rohe, unverfälschte Kunst unverbildeter Menschen. Als andere verwandte Bezeichnungen für marginalisierte künstlerisch-kulturelle Ausdrucksformen haben sich in der Folge – insbesondere auch in Abgrenzung zum Begriff der Art brut – die Bildnerei der Geisteskranken des Psychiaters und Kunsthistorikers Hans Prinzhorn (1922) oder die Outsider Art des englischen Kunsthistorikers Roger Cardinal (1972) vornehmlich im englischsprachigen Raum als Stilbegriffe eingeführt und verbreitet. 

Es sind Menschen, die vielfach ungewöhnlichen Erfahrungen in ihrem Leben ausgesetzt waren oder oftmals auch schmerzhafte, seelische Anstrengungen oder Belastungen haben ertragen müssen und am Rande der Gesellschaft stehen. Als Grenzgänger, Menschen mit geistigen und psychischen Behinderungen u.a. fertigen sie künstlerische Werke eigener Art ohne eine akademisch geschulte Ausbildung und langjährige Erfahrung.

Authentizität, Phantasie, Einfallsreichtum und eine Bildsprache frei von jeglichen Konventionen zeichnen die Arbeiten dieser Künstler aus. Ihre oftmals eigenwilligen, rohen, außerhalb von Geschichte und Zeit stehenden Bilder erzählen von einer Welt, die der Betrachter zu kennen glaubt. Hinter scheinbarer Weltabgewandtheit breiten die Künstler verdrängte Realitäten aus, entfalten unterdrückte Sehnsüchte, fordern uneingelöste Versprechen ein und erinnern an übergangene Ungerechtigkeiten.

Für die finanzielle Förderung der Ausstellung und des Katalogs danken wir in besonderer Weise dem Ministerpräsidenten des Landes NRW sowie dem Kultursekretariat NRW Gütersloh.
(Auszug aus dem Katalog)